Das Nachhaltigkeitsprinzip ist gut fünfundzwanzig Jahre nach dessen Definition noch nicht umgesetzt, weil die Konsequenz fehlt:

Die Welt erlebt immer wieder neue Finanz- und Wirtschaftskrisen. Zahlreiche Staaten sind (hoch) verschuldet; Bussen für Wirtschaftsunternehmen sind schon fast an der Tagesordnung.

Das Prinzip der Verschuldung schlägt sich auch auf die Ökologie nieder: Wir leben durch den gigantischen Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie Energie, Wasser und Rohstoffe auf Kosten zukünftiger Generationen.

Die soziale Tragödie rundet das Bild des Scheiterns des Umsetzens des Nachhaltigkeitsprinzips ab: Wir holen z.B. Rohstoffe in Afrika – mit einbezogen die Kinderarbeit. Und wir entsorgen Abfälle dorthin. Doch Afrika hungert.


Komplementäre Medizin

Auf der Suche nach einem anderen Denken und Handeln im Bereich der Nachhaltigkeit vertiefte sich der Kontakt zur Komplementären Medizin und der Art und Weise, wie dort Probleme beim „System“ Mensch gelöst werden.

Systeme und unser ganzes Leben basieren auf dem Vorhandensein von jeweils zwei sich entsprechenden Polen: Es gibt z.B. Tag und Nacht, Sommer und Winter, Nehmen und Geben, Erwärmung und Abkühlung, Reichtum und Armut, Arbeiten und Pausen, Gesundheit und Krankheit. Dieser Grundsatz des Lebens in Polaritäten ist ein wichtiges Element in der Komplementären Medizin:

Nachhaltig gesund bedeutet aus komplementär-medizinischer Sicht, sich entsprechende Polaritäten jeweils gleich gewichtet zu leben. Man arbeitet und man macht Pausen, wie das Herz auf der individuellen Ebene. Man atmet ein, aber gleich gewichtet auch wieder aus. Damit nimmt man, gibt aber auch.

Krankheit bedeutet, einen der jeweiligen Pole dauerhaft zu bevorzugen und einen zu vernachlässigen. Das Bevorzugen des einen Pols geht für eine kurze Dauer gut, aber nicht auf ewig. Der Körper reagiert daraufhin und zeigt durch ein Krankheitssymptom, was nicht stimmt, z.B. durch einen Kreislaufkollaps, wenn Pausen fehlen. Krankheitssymptome sind aus Sicht der Komplementären Medizin Zeichen eines Ungleichgewichtes. Gefragt sind dann ÄrztInnen.

Das lateinische Wort für Heilmittel und Heilung heisst denn auch „remedium“; dies bedeutet „zurück in die Mitte“. In der Mitte zwischen zwei sich entsprechenden Polen liegen das Gleichgewicht und damit die Gesundheit; wenn beide komplementären Pole „gleich gewichtet“ einbezogen werden.


Komplementärer Umweltschutz

Dieses Denken der Komplementären Medizin wurde auf den Umweltschutz angewandt; so entstand die Idee des Komplementären Umweltschutzes und das Buch „Aus dem Gleichgewicht“: siehe Bücher.

„Konventioneller Umweltschutz“ wie er in der Regel betrieben wird, umfasst oft Massnahmen zur Symptombekämpfung in der Aussenwelt, z.B. die Belüftung eines kollabierten Sees oder die Temporeduktion auf Strassen bei hohen Ozonbelastungen. Konventioneller Umweltschutz bedeutet Schadenbegrenzung in akuten Situationen.

„Komplementärer Umweltschutz“ sucht den Bezug zur Innenwelt des Menschen, nach tieferen Zusammenhängen und nach der Bedeutung der Umweltprobleme. Er versucht, die Umwelt-Zeichen der Erde als Ungleichgewichte zu deuten und daraus Massnahmen abzuleiten, analog zur Komplementären Medizin. Der Komplementäre Umweltschutz sucht das Gleichgewicht, ist weitsichtig und komplementiert den konventionellen Umweltschutz.


Komplementäre und Nachhaltige Wirtschaft

Mit dem weiteren Buch „Wirtschaft in Schieflage: Die Kunst liegt im Gleichgewicht“ (als Gegenpol zum ersten Buch „Aus dem Gleichgewicht“) wurde dann der Schritt zur Nachhaltigen Wirtschaft gewagt: siehe Bücher. Findet man dieselben Ungleichgewichte wie in der Medizin und im Umweltschutz auch in der Wirtschaft wieder? Und wie würden diese Ungleichgewichte konkret aussehen? Was würde es für die Wirtschaft bedeuten, komplementär zu denken, wie es die Komplementäre Medizin seit Jahrtausenden tut und wie es im Komplementären Umweltschutz auch möglich ist?

Daraus ergab sich eine andere Sicht auf das Thema Nachhaltigkeit und die Nachhaltige Wirtschaft. Und aus der Homepage www.umweltforschung.ch entstand die Homepage www.nachhaltigewirtschaft.ch.


Wir brauchen neue Denkansätze, aber auch eine neue Generation von ManagerInnen andererseits; solche die neben ökonomischem Optimieren auch soziale und ökologische Aspekte „gleich gewichtet“ ins Managen einzubeziehen wissen.

Die Umwelt ist die erste Basis der Wirtschaft (als „natural resources“ zu verstehen); sie liefert die natürlichen Ressourcen als Input in jedes Unternehmen. Ohne Boden, Wasser, Energie oder industrielle Rohstoffe aus der Umwelt geht nichts in der Wirtschaft. Die Menschen sind die zweite Basis der Wirtschaft (als „human resources“); ohne sie läuft ebenfalls nichts. Und allen Menschen sollte die Wirtschaft zu mehr Wohlstand verhelfen, ohne die einen auszubeuten und die anderen auszubrennen.

Die nicht sorgsame Pflege beider Grundlagen der Wirtschaft wird langfristig jedes Unternehmen an den Rand des Misserfolgs bringen; die Wirtschaft fusst auf beiden. Ohne die Sorge um die natürlichen und die menschlichen Ressourcen (und deren Gleichgewichte!) ist kein Wirtschaftsunternehmen nachhaltig. Und wird früher oder später in Schieflage sein; wie auch die gesamte Wirtschaft.

Die Kunst liegt im Gleichgewicht, als Nachhaltigkeit im Sinne des komplementären Denkens und im Sinne von remedium zu verstehen.




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